Wie ein Rebranding aus der Mitte der Belegschaft glücken kann

Projekt „FutureBrand“ im Herder Verlag

Wie erreicht ein mehr als 200 Jahre altes Unternehmen sehr unterschiedliche Zielgruppen, ohne seine Tradition aufs Spiel zu setzen? Der Herder Verlag hat darauf eine Antwort gefunden – und dafür sein komplettes Design umgekrempelt. Von innen heraus.

Published: 14.7.2026  |  Foto / Video: Herder Verlag. Video: Brand Direction: Hannah Lauer | Motion Design: Martin Schenk

Der Anstoß zu diesem umfassenden Markenprojekt kam aus dem Marketing. Die zentrale Frage lautete: Wie lassen sich die sehr unterschiedlichen Zielgruppen – von Pädagog:innen über Theolog:innen bis zu Leser:innen von politischen Büchern und Ratgebern – erreichen, ohne die Wiedererkennbarkeit und Tradition der über 225 Jahre alten Marke aufs Spiel zu setzen? Daher sollte diese lediglich weiterentwickelt und im Zeichen der Mehrkanaligkeit zukunftsfähig werden. Das Ziel war ein Design, das sowohl die Tradition würdigt als auch Innovationskraft ausdrückt.

Warum jetzt? Die Ausgangssituation

Das bisherige Corporate Design stammt aus dem Jahr 2008 und hat nach fast zwei Jahrzehnten seine Flexibilität eingebüßt. Die digitale Transformation des Verlagswesens, veränderte Sehgewohnheiten der Zielgruppen und die Notwendigkeit, auf verschiedenen digitalen Plattformen konsistent aufzutreten, machten eine Überarbeitung unausweichlich. Das alte Design spiegelte nicht mehr die Dynamik und Vielfalt des Programms wider. Besonders im digitalen Raum stieß man an Grenzen. Die Elemente waren zu starr, die Farbwelt zu begrenzt, die Anwendungsmöglichkeiten für Social Media und Newsletter nicht zeitgemäß.

Diese Einschränkungen machten es immer schwieriger, die Marke Herder zeitgemäß zu präsentieren und die verschiedenen Zielgruppen adäquat anzusprechen. Hinzu kam der Wunsch, die verschiedenen Programmbereiche des Verlags – von theologischen Fachpublikationen in Buch- und Zeitschriftenform über pädagogische Literatur und Kinderbücher bis zu gesellschaftspolitischen Sachbüchern – unter einem kohärenten, aber flexiblen visuellen Dach zu vereinen.

Nicht ohne die Belegschaft: Der Weg zum neuen Erscheinungsbild

Der Prozess startete im Herbst 2024 mit einer Freiburger Agentur, die gemeinsam mit Herder ein detailliertes Anforderungsprofil entwickelte. In mehreren Workshops wurden zunächst die Markenwerte definiert, die Zielgruppen und der Wettbewerb analysiert. Diese Analysephase dauerte mehrere Monate und mündete in ein Briefing für die gestalterische Umsetzung.

Anschließend übernahm Hannah Lauer Brand-Design die Konzeption der neuen visuellen Welt der Marke. Lauer entwickelte über einen Zeitraum von erneut mehreren Monaten verschiedene Designvarianten, die in mehreren Feedbackschleifen mit dem Herder-Team verfeinert wurden.

Von Anfang an wurden verschiedene Abteilungen eingebunden – von Vertrieb und Presse bis zu Social Media, E-Commerce, Personalwesen, Finance und Geschäftsführung. Dieser partizipative Ansatz war bewusst gewählt. Eine diverse Palette von Erfahrungen und Meinungen sollte sich niederschlagen – von jungen und langjährigen Mitarbeitenden aus verschiedenen Abteilungen. Die verschiedenen Blickwinkel auf Herder waren wichtig, um zu vermeiden, dass am Ende ein Design entsteht, das zwar ästhetisch ansprechend ist, aber im Arbeitsalltag nicht funktioniert. In den verschiedenen Phasen des Projekts waren Mitarbeiter:innen aus den unterschiedlichsten Bereichen involviert.

In Townhall-Meetings – regelmäßigen Versammlungen, die offen für alle Mitarbeitenden sind – informierten die Projektleiterinnen Sittner und Fischer die gesamte Belegschaft quartalsweise über den Fortschritt und holten je nach Projektphase weitere Kolleg:innen für spezifische Feedbackrunden hinzu. Diese transparente Kommunikation sollte Akzeptanz schaffen und frühzeitig mögliche Probleme in der praktischen Anwendung identifizieren. Die breite Einbindung verschiedener Perspektiven haben die Projektleiterinnen als wesentlichen Erfolgsfaktor für das Projekt erkannt.

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Die gestalterischen Elemente

Das neue Corporate Design sucht den Spagat von Kontinuität und Erneuerung zu halten. Das Logo wurde behutsam modernisiert – die Grundform blieb erhalten, aber Proportionen und Schriftzug wurden für bessere digitale Lesbarkeit optimiert. Das tiefe Rot der Wortmarke, seit Jahrzehnten Erkennungszeichen des Verlags, wurde aufgefrischt und um eine Palette von einem Dutzend Sekundärfarben ergänzt, die unterschiedliche Themenbereiche kennzeichnen sollen. Eine neue Markenschrift ersetzt die bisherige Hausschrift und bietet bessere Lesbarkeit sowohl im Print als auch auf Bildschirmen.

Der Fokus lag initial auf digitalen Medien. Die meisten Kontakte zwischen Verlag und Zielgruppen nämlich entstehen heute digital – über Social-Media-Kanäle, Newsletter, die Website oder E-Commerce-Plattformen. Das neue Design musste daher primär auf diesen Kanälen funktionieren. Erst danach suchte das Team nach Möglichkeiten, das Printmaterial entsprechend zu versorgen. Dies markiert einen Paradigmenwechsel gegenüber früher, wo man vom Briefpapier ausgegangen wäre.

„Die Welt ist im Wandel – wir auch. Der Wille zur ständigen Erneuerung ist eine der Stärken von Herder“

Manuel Herder
Verleger, Mehrheitsgesellschafter der Buchhandelskette Thalia

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Vom Template-Design bis zur Qualitätssicherung

Die praktische Umsetzung erfolgte intern durch das Grafik-Team unter Leitung von Bianca Fischer und das Marketing-Team unter Valeria Sittner. In den Monaten vor dem Launch, von April bis Juli 2026, wurden sämtliche Materialien neu gestaltet: die Website (Relaunch erfolgte zeitgleich am 14. Juli), alle Social-Media-Profile, Newsletter-Templates, Präsentationsvorlagen, Geschäftsausstattung, Messestände und Werbemittel.

Eine Art Baukasten der Designelemente ermöglicht vielfältige Kombinationen, ohne die Gefahr, in der täglichen Praxis die Markenidentität zu verwässern. Ein umfassender Styleguide liegt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern digital vor und dokumentiert alle Anwendungsregeln. Ergänzt wird dieser durch praktische Grafik-Templates mit gesperrten Elementen, die Mitarbeitenden ohne Designkenntnisse die Erstellung markenkonformer Materialien erleichtern. Auch Schulungen der entsprechenden Kolleg:innen stehen auf dem Plan.

Die Assets liegen zentral auf SharePoint, organisiert unter anderem in einer „Herder A bis Z“-Struktur, die alle wichtigen Vorlagen enthält. Alle Werbemittel, die extern ausgespielt werden – ob Anzeigen, Social-Media-Posts oder Newsletter – durchlaufen vorläufig vor der Veröffentlichung eine Qualitätskontrolle durch das Grafik-Team oder das Marketing, um die Konsistenz der Markendarstellung zu gewährleisten.

Ein Rebranding ist genau genommen mit dem Launch nicht beendet. Daher erfolgt eine Qualitätssicherung bis auf Weiteres in wöchentlichen Treffen, in denen Erfahrungen mit den neuen Templates ausgetauscht, noch bestehende Probleme besprochen und eventuell zusätzlich benötigte Vorlagen diskutiert werden. Dieser iterative Prozess trägt der Tatsache Rechnung, dass nicht alles am ersten Tag perfekt sein kann, sondern dass das Team aus der Praxis lernen muss. Diese Herangehensweise ermöglicht kontinuierliche Verbesserungen und beantwortet die tatsächlichen Bedürfnisse der Anwenderinnen und Anwender.

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Herausforderungen und Learnings

Ein Rebranding dieser Größenordnung bringt zahlreiche Herausforderungen mit sich.

Balance zwischen Tradition und Moderne

Die größte bestand darin, die Balance zwischen Tradition und Moderne zu finden. Herder ist eine Marke mit über 225 Jahren Geschichte und einem großen, loyalen, aber weit verzweigten Stammpublikum, das bestimmte Erwartungen an den Verlag hat. Gleichzeitig musste die Marke für jüngere Zielgruppen attraktiv werden und sich in der digitalen Welt behaupten.

Koordination der verschiedenen Stakeholder

Eine weitere Herausforderung war die Koordination der verschiedenen Stakeholder. Mit den involvierten Personen aus unterschiedlichen Abteilungen mussten viele verschiedene Perspektiven und Anforderungen berücksichtigt werden. Hier erwiesen sich die transparente Kommunikation und die quartalsweisen Updates für die gesamte Belegschaft als wichtig, um alle mitzunehmen und Widerstände zu vermeiden.

Implementierung über alle Kanäle

Technisch stellte die Implementierung über alle Kanäle hinweg eine Herausforderung dar. Vom Website-Relaunch über die Anpassung aller Social-Media-Kanäle bis zur Neugestaltung von Printmaterialien musste alles koordiniert werden, um einen einheitlichen Launch zu ermöglichen. Die Erstellung der Templates für verschiedene Programme erforderte reichlich Detailarbeit, damit sichergestellt wurde, dass die Designvorgaben auch von Nicht-Designern korrekt umgesetzt werden können.

Die Zukunft

Der erste Lohn der kollektiven Bemühung: Am 9. Juli 2026 wurde das neue CD auf dem Freiburger Sommerfest des Verlags zuerst allen Mitarbeitenden vorgestellt. Der offizielle Launch am 14. Juli 2026 markierte den Abschluss der Gestaltungsphase, aber nicht das Ende des Projekts.

In den folgenden Monaten wird das Team weiter an der Optimierung arbeiten, zusätzliche Templates erstellen und auf Basis der Praxiserfahrungen Anpassungen vornehmen. Valeria Sittner und Bianca Fischer rechnen mit einem Ende des Projekts deutlich vor der Jahreswende 2026/2027.

Ein Prozess kommt damit zu seinem Ende, der, an seiner Komplexität gemessen, in gut zwei Jahren relativ schnell durchläuft.

„Mit dem neuen Corporate Design entwickeln wir die Markenidentität des Verlags Herder behutsam und konsequent weiter. Es macht sichtbarer, wofür Herder heute steht: thematische Vielfalt, publizistische Qualität, gesellschaftliche Relevanz und eine zeitgemäße Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen. Gleichzeitig bleibt Herder seinen Wurzeln verpflichtet. Als traditionsreiches und bewusst werteorientiertes Haus verstehen wir das neue Erscheinungsbild nicht als Bruch, sondern als professionelle Weiterentwicklung“

Philipp Lindinger
CEO Verlagsgruppe Herder

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